Jeder liebt sie und sogar große Konzerne vertrauen auf ihre Werbewirkung: Tilt-shift Filme sind seit einiger Zeit der Renner bei Youtube, Vimeo und Co. Und auch wenn schon viel über die Technik geschrieben und gesendet wurde – wie man den Miniatureffekt am besten hinkriegt, zeigt euch mein In Deep-Tutorial.
So ist das Tutorial aufgebaut:
- Teil 1: Equipment
- Teil 2: Vorbereitungen
- Teil 3: Der “Dreh”
- Teil 4: Postproduktion
- Teil 5: Tilt-Video erstellen
- Teil 6: Fazit und Tipps
___________________________________________________________________
Teil 1: Wir drehen Videos mit Fotokameras! Kurz: Die Ausrüstung
Vorwort
Lässt man die teuren Tilt-Shift Objektive mal beiseite, bleiben noch zwei grundsätzlich unterschiedliche Möglichkeiten, einen Film in Miniaturoptik zu produzieren. Möglichkeit A) wir nehmen eine Videokamera, filmen damit eine Szene ab und lassen diese später am Computer schneller ablaufen. Auch die charakteristischen Unschärfebereiche fügen wir natürlich künstlich hinzu. Möglichkeit B) entspricht Möglichkeit A), allerdings halten wir die Szenen mit einer Fotokamera fest, die in regelmäßigen Abständen automatisch einzelne Bilder macht.
Der Unterschied ist insbesondere beim Produzieren von Tilt-Shift Filmen elementarer als er im ersten Moment wirken mag. Denn meiner Meinung nach charakterisiert einen Miniaturfilm nicht nur der Miniatureffekt, der u. a. durch die geschickte Wahl der Perspektive erreicht wird. Auch die irgendwie zuckelige und steife, puppenartige Fortbewegungsweise von Personen und Objekten ist entscheidend für den “H0-Effekt”. Da eine Videokamera meist zwischen 24 und 60 Bilder pro Sekunde aufzeichnet, bewegen sich Autos, Züge und Menschen immer flüssig. Da hilft auch beschleunigen nicht.
Aufgrund ihrer Vorteile gegenüber beschleunigten Videobildern habe ich mich früh für die Foto-Methode entschieden und möchte im weiteren Tutorial auch nur auf diese eingehen.
Jetzt aber: Die Ausrüstung
Ich produziere meine micro munich-Filme mit einer günstigen DSLR Canon 1000D und hochwertigen Canon L-Objektiven wie dem 24-70 2.8L, dem 24-105 4.0L oder dem 17-40 4.0L. Diese Kamera lasse ich im Sekundentakt Bilder schießen. Als Dateiformat wähle ich mittelgroße JPGs. Sofern eine Kamera verschiedene RAW-Größen anbietet, empfehle ich dringend RAW. Es ist in jedem Fall besser nachträglich zu beeinflussen, erzeugt aber auch viel größere Dateien. Da wir später wahrscheinlich maximal in Full HD arbeiten, sollte eine Auflösung mit etwa 2.300 Pixeln Breite genügen.
Übrigens könnte ich natürlich genauso gut meine 7D verwenden, die mir weitaus mehr und feinere Einstellmöglichkeiten (wie verschiedene RAW-Größen) böte. Allerdings möchte ich den Klappmechanismus des Spiegels dieser vergleichsweise teuren Kamera nicht mit den vielen tausend Reihenaufnahmen belasten, die bei der Produktion eines Films anfallen.
Mindestens so wichtig wie die Kamera ist ein stabiles Stativ, das sich auch von den kräftigeren Windböen nicht beeindrucken lässt, die am Drehort (dazu später) häufig vorkommen. Ich empfehle ein Dreibeinstativ mit Bodenspinne wie das Manfrotto 545GB.
Außerdem darf sich der Neiger, einmal fixiert, nicht mehr bewegen, und zwar am besten gar nicht. Damit spart man sich in der Postproduktion aufwändige Korrekturarbeiten, die beispielsweise anfallen, wenn das Gewicht der Kamera den Neiger im Lauf einer halben Stunde um 5 mm nach unten zieht, weil die Klemmung nicht richtig zupacken kann. Klingt nicht schlimm, kostet aber später viel Zeit.
Für automatische Zeitrafferaufnahmen benötigt man eine programmierbare Kamerafernbedienung wie die haehnel Giga T Pro II. Einmal eingestellt erledigt dieses kleine Gerät den Rest und das sogar kabellos. Wobei man genauso mit Kabel arbeiten kann und sich sogar noch eine der Batterien spart. Der Sender arbeitet mit billigen CR2032-Batterien, die sehr lang halten. Man kann das Gerät nicht nur darauf programmieren, alle x Sekunden ein Bild zu machen, sondern auch die Belichtungszeit oder die Auslöseverzögerung einstellen.
Neben Kamera, Stativ und Fernbedienung empfehle ich einigermaßen große und vor allem schnelle Speicherkarten. Eine SD-Karte mit 4GB Platz und der Geschwindigkeitsklasse 4 sollte es schon sein, sonst kommt meine 1000D mit dem Speichern im Sekundentakt kaum nach und bleibt im schlimmsten Fall mitten im Shooting stehen.
Für die Postproduktion und den Schnitt benötigen wir ein leistungsfähiges Entwicklungsprogramm wie Adobe Lightroom sowie Videoschnittsoftware, in meinem Fall Adobe Premiere. Ich persönlich nutze außerdem für das Setzen des Tilt-Effektes Adobe After Effects, es geht aber auch mit Photoshop sehr gut. Übrigens kann man alle Programme für eine 30-tägige Testperiode bei Adobe kostenlos downloaden.
Weiter zu Teil 2: Wo wird wann was gedreht? Die Vorbereitung



Pingback: Wie macht man eigentlich… « m u n i c h events.